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Der Gadertaler Künstlerbund besteht aus drei Sektionen:
Die Geschichte
der Kunst ist im Gadertal so alt wie die der Menschen, welche in diesen
von spitzen Bergen, ausgedehnten Almen und engen Tälern geprägten
Ortschaften leben. Viele Künstler, die sich außerhalb Ladinies oder in unseren Gebieten einen Namen gemacht haben, sind in den ladinischen Tälern geboren oder in Familien ladinischer Abstammung großgeworden*. Gröden-, Fassa- und Gadertal sind in den vergangenen Jahrhunderten durch tüchtige Handwerker bekanntgeworden; etliche sind durch Zentraleuropa gereist um Bilder und Fresken an Kirchen, an antiken und luxuriösen Ansitzen anzubringen, Gegenstände für den täglichen Hausgebrauch anzufertigen und weltiche Skulpturen zu schnitzen. Die Kunstschulen, welche in den letzten Jahrzehnten in fast allen ladinischen Tälern (Gadertal ausgenommen) ins Leben gerufen worden sind und von der großen Tradition der kunsthandwerklichen Geschicklichkeit der Ladiner bezeugen, haben sicher zur Bildung und Entfaltung der einzelnen ladinischen Künstler und der Wege und Tendenzen der Kunst beigetragen. Im Gadertal arbeiten heutzutage etwa zwanzig Künstler. Ebenso viele sind abgewandert und leben irgendwo außerhalb des Tales. Anläßlich der Kollektivausstellungen, die unser Verein "Ert por i Ladins" jährlich veranstaltet, kann man sehen, daß die bildenden Künstler alle ihren eigenen Stil entwickelt haben; trotzdem ist es unübersehbar, daß mehrere "künstlerische Generationen" den Ton angeben. Wir haben einerseits die Künstler, die viele Jahre vor 1968 begonnen haben sich zu entfalten, wie Angel Morlang, der zusammen mit anderen vor mehr als 35 Jahren den Verein "Ert por i Ladins" gegründet hat, Lois Irsara und weitere. Ihre Kunst kennzeichnet sich in romantischer Auffassung. Die Motive sind aus der Bevölkerung genommen oder aus der näheren Umgebung. Die Künstler beschäftigen sich in ihren Motiven oft mit Landschaften, Porträts von einfachen Leuten, Stilleben, Figuren aus der Mitologie der Sagen usw. Die Künstler unseres "Mittelalters" - wie Franzl Irsara, Franz Kehrer, Albert Mellauner, Pepi Pescollderungg, Lois Rottonara/"Rott" und andere - kennen die Strömungen des 20. Jahrhunderts, doch versuchen sie eigene Wege zu gehen. Die Jahre nach 1968, wo in den größten Industriestaten mit allen Mitteln und in allen Richtungen versucht wurde, Traditionen und klassische Prinzipien zu negieren, haben in der Kunstgeschichte des Gadertales kaum Spuren hinterlassen. Unsere jungen Künstler - wie Markus Moling, Silvester Promberger, Claus Vittur und weitere - haben in den 90er Jahren ihre "alternative" Kunst bei unseren Gemeinschaftsausstellungen vorgestellt. Einer der wenigen, der seine ersten Kunstarbeiten bei Kollektivausstellungen des EpL exponiert hat und früh- und rechtzeitig an eine "neue Revolution" der Kunst nach 1970 geglaubt hat, ist Gilbert Prousch aus San Martin de Tor, der sich in Gröden und München geschult hat, dann nach England (London) gezogen ist. Er hat dort zusammen mit seinem Kollegen George Passmore moderne Tendenzen und neue Moden der bildenden Kunst geschaffen. Gilbert&George haben in den berühmtesten Museen zeitgenössischer Kunst der Welt ausgestellt. Einige Künstler haben sich außerhalb des Gadertales niedergelassen. Sie haben sich einen Namen machen können, leben heutzutage hauptsächlich von ihrer Arbeit. Sie erhalten regelmäßig wichtige Aufträge. Manche im Gadertal wohnende Künstler sind weithin bekannt, ihre Werke sind geschätzt. Junge Künstler haben in den vergangenen Jahren die aktuellen Kunstrichtungen in unser Tal gebracht. Ihre angewandten Techniken werden gut gehandhabt, ihre Werke kommen generell als Themen und Motive an; ihre Kunst bleibt jedoch nur einem geringen Teil des Publikums zugänglich. Wie die Menschen verschieden sind und deren Lebensweisen, so unterschiedlich wird auch ihr Ausdrucksbedürfnis sein. Was man
behaupten kann, und davon bin nicht nur ich überzeugt, ist, daß
in unserer Gegend schätzenswerte Künstler leben; diese werden
allzu oft außerhalb des eigenen Tales mehr geschätzt als daheim.
Es ist sicherlich eine Bereicherung für das Gadertal, wenn diese
künstlerische Aktivität weiterhin gepflegt werden kann. *)
Siehe "Raetia Nr. 17" des Autors Angel Dapunt (Band ladinischer
Kultur, herausgegeben vom Verein "Ert por i Ladins")
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